Was bleibt…?

Birgit Hacker 2016

 

Klein ist er geworden. In sich gekehrt der blicklose Blick. Seine Sorge gilt dem Füllstand seines Sauerstofftanks, ob er schnell genug zur Toilette kommt, wann es etwas zu essen gibt.

Dann steht er auf, stützt sich auf den Rollator, geht unsicher und suchend, ob er nicht auf Hindernisse stößt, den Flur hinunter zur Tür.

Sein alter Körper braucht fast seine gesamte Aufmerksamkeit, damit er seinen Alltag bewältigen kann.

Als sein Atem schwer wurde, musste er seine Wanderungen immer mehr einschränken. Jetzt geht er nur noch schwerfällig und schlurfend den Weg hinauf und hinunter.

Als seine Augen trüb wurden, konnte er nicht mehr lesen. Jetzt wendet sich sein Blick nur noch nach innen.

Als er nur noch wenig hören konnte, nahm er nicht mehr an Gesprächen teil, war auch die Musik keine Freude mehr.

Und alles, was seine Hände in früheren Jahren schafften, beschränkt sich jetzt auf den Griff des Rollators.

Wie geht es dir, frage ich ihn.

Ach, sagt er – und denkt nach.

Jeden morgen kommen zwei junge Männer vom Pflegedienst und waschen mich. Ich freue mich auf sie, sie sind so nett und kompetent.

Ja, und ich schlafe so gut, das ist ein Geschenk.

Und die kleine Tochter des Nachbarn. Wenn sie mich auf dem Weg sieht kommt sie angelaufen und fragt: Hacker, Häschen? Dann rezitiere ich das kleine Gedicht: Und als es einmal Sonntag war, und Häschen’s Geburtstag war……

Und dann denke ich daran, wie schön die Zeit mit meinen kleinen Enkeln damals war.

Und morgen kommt ein Freund, der geht mit mir Eis essen…

Sein Leben ist nicht leicht, aber auch nicht nur schwer. Und dennoch fragt er immer wieder: Ist das denn noch ein Leben?

Gibt es darauf eine Antwort?