kein wiegen

elke bludau 2017

ein tropfen milch am boden:
nicht zu halten,
was gerade zerrinnt.
ich stehe in der luft,
schaue dich von fern,

kein wiegen ohne stand,
kein wiegen.

ringen um jetzt und gestern,
zwischen liebe und allem sonst.
scham, wenn ich dich geringer rede,
das ruder schlägt
die wellen klein.

kein wiegen ohne demut,
kein wiegen.

ich drehe mich auf weit,
auf mild und auf geduld,
wäge ab, was wichtig ist.
meine sicht und deine augen,
dein leben, unsere vergangenheit.

fange mich ein,
sage mich los,

werde warm und werde kalt.
in meiner rüstung
schreckt mich nichts,

und doch fühle ich verwundung
um das, was stetig seinen weg geht,

indem es ihn verlässt.
zur ruhe kommen kurz zu staunen –

in milchzeiten so trübe wie klar.

leere erfüllt mich
in vertrauter straffur.
kein wiegen in der luft.
kein wiegen.
nur worte wie arme und trost.

in sprache wiegen,
kurz sicher sein.