drachentanz

Elke Bludau 2017
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Dieser folgende Text ist mein Versuch, Bedeutungen und Gefühle klarer zu fassen, die die Begleitung meiner unterstützungsbedürftigen Eltern für meinen Weg momentan bedeuten. Er mag sehr subjektiv und vielleicht schwer verständlich erscheinen. Doch für mich ist er stimmig und bildet das ab, was mich bewegt. 
Ich möchte dazu ermutigen, eigene Bilder und Worte im gestalterischen Ausdruck zu finden. Jede/r ist dazu auf seine Weise in der Lage. Der Komplexität auf die Spur zu kommen, ist kein leichter Weg. Aber das Bemühen um Klärung kann vieles bewirken – zum Beispiel einen Gewinn an Freiraum und Distanz. Und sicherlich öffnet es eine Tür, Frieden mit der Situation und sich selbst schließen zu können.
 

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es geschieht einfach. ohne erlaubnis und erklärung
von gleich auf jetzt im heißkalten sog.
wilder kopf und kühle hände,
als tanz aus papier füllt sich die luft
mit einem drachenwesen, einem avatar.
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es sprengt was war oder springt hinein,
seine dynamik fräst einen neuen weg
für dein leben, dem du nun folgen wirst
wie einem fluss. kein anderer schwimmt
in dem, was du erlebst – denn es ist speziell.
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die choreografie der notwendigkeiten,
aufgaben der liebe und die pflichten
der situation weben dich ein.
kinetik ohne plan, hinter dir
die häutungen einer schlange.
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drachenfalten: sein fächerleib
löscht farben in neues licht
und eröffnet dir weit gereistes –
jedoch kein innehalten,
was du selbst bestimmst.
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nutze die seichten strudel
als zugefallenes geschenk.
nimm die drehpausen wahr.
nimm dein bad in seen
aus liebe und traurigkeit.
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lehn dich an den drachenleib aus luft,
gib deinen schultern rast und halt.
sammle erinnerung,
sammle erde und wurzeln.
trink davon und sprich.
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wenn du willst, nutze die zeit,
dreh dich seitwärts,
deine eigene richtung zu wählen,
dich deiner alten wege zu erinnern,
und anknüpfend auswege zu suchen.
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und wenn du dort nichts mehr findest,
schärfe den blick und sammel dich –
denn es wird unvermittelt weitergehen,
der strudelige sog aus pflichten der liebe,
der dynamik aus notwendigkeiten.
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gesponnene dünne fäden reissen ab,
dein ausweg liegt diffus wie trübes wasser.
der drachentanz bestimmt den atemtakt,
nimmt dir raum
und schenkt dir blau.
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aber wie es sich windet und dreht –
schau hin, denn nichts kommt wieder:
altgereistes färbt sich neu,
anderes leuchtet auf,
dunkelt ab und schwindet.
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beobachte feinsinnig:

finde erschöpfung in seinem gefieder,
deine wut in seinen krallen,
deine traurigkeit hinter seinem ohr.
öffne seine atemfächer,
verzeih dir und sei dir weich.
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seine farben und schatten sind
deine atemhüllen, dein geschenk,
deine verbindung, deine erinnerung.
sie tauchen in gold und sind dir halt,
ein kaleidoskop geteilter momente, einzig –
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