Demenz

„Unsere Verabredung mit dem Leben findet im gegenwärtigen Augenblick statt. Und der Treffpunkt ist genau da, wo wir uns gerade befinden.“ (Buddha)

Eine junge Frau, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr im Altenpflegeheim machte, sagte mir in einem Interview, dass sie es unglaublich fände und nicht verstehen könne, „wie man bei Demenz so weg sein kann“. Dieses immer weiter weg sein macht es besonders für Angehörige so maßlos und unfassbar traurig. Es bedeutet trauern ohne loslassen zu können.
Zu der bei Demenz schnell wechselnden geistigen und emotionalen Verfassung (z.B. der Depression, der Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Unruhe, Aggression) kommt die körperliche Tagesform mit den demenzunabhängigen Versehrtheiten hinzu. All das macht das Miteinander so schwer und unglaublich anstrengend.

Ich selbst habe fortgeschrittene Phasen der Demenz bisher nur beruflich als Kunsttherapeutin kennengelernt. In der Begegnung mit von Demenz Betroffenen ist unbedingte Wahrhaftigkeit die Basis für jeglichen  Beziehungsboden. Das Hier und Jetzt ist das Einzige was zählt, im direkten Kontakt von Mensch zu Mensch auf Augenhöhe. Von Demenz Betroffene spüren Halbherzigkeit, Abgelenktheit oder Unehrlichkeit sofort. Im Miteinander nicht nur Präsenz zu zeigen, sondern wirklich präsent zu sein, ist die Voraussetzung, eine Verbindung in die schwer erreichbare Welt meines Gegenübers aufzunehmen.

Die Frage nach Identität ist für den von Demenz Betroffenen von existenzieller Wichtigkeit. Nach meiner Erfahrung ist es natürlich wichtig, soweit es geht Bezüge zur biografischen Identität aufrecht zu erhalten. Aber ganz wesentlich finde ich es, eine für den Moment gültige Identität zu schaffen. Was macht den Menschen in diesem Moment besonders, was macht ihn aus? Demenziell Betroffene sind nicht nur ihre vergessene Vergangenheit. Respekt und Liebe bilden eine Brücke für Annäherung und Anerkennung, für das was ist.

In dieser Rubrik finden sich unter anderem Erfahrungen aus der Arbeit mit von Demenz Betroffenen, aber auch gestalterische Ansätze und Versuche, sich dem Erleben von Demenz mit allem Respekt anzunähern, es sich „vorzustellen“.
Ich freue mich auf Ihre Sichtweisen und Erfahrungen zu diesem Thema, sei es als Angehöriger, professionell Pflegender oder Betroffener. Schreiben Sie mir: kunsttherapie@elkebludau.de