Aus. Ende. Vorbei. Rien ne va plus.

 

Das Altwerden wird besonders erlebbar, wenn man Lebenswünsche als nicht mehr realisierbar verabschieden und betrauern muss. Elke Möckel benennt Alternativen zum Hadern über ungelebtes Leben und appelliert an einen konstruktiven Umgang mit den Verlusten. Elke Möckel ist Coach und Expertin für Auf-und Umbrüche in der Lebensmitte, weitere Informationen unter www.werkstatt-fuer-weg-und-ziel.de.

 

Stellen Sie sich mal folgende Situation vor: Eine junge Frau ist voller Power mit dem Aufbau ihrer Karriere beschäftigt. Hat sich ins Berufsleben gestürzt weil sie endlich auf eigenen Füßen stehen wollte, etwas aus sich machen. Sie hat ehrgeizige Ziele und wird dabei auch von ihrer Firma und den Umständen unterstützt. Nach einiger Zeit hat sie wirklich das Gefühl, unentbehrlich zu sein. Man übergibt ihr verantwortungsvolle Aufgaben, sie entwickelt sich weiter, vielleicht absolviert sie noch zusätzliche Aus-und Weiterbildungen. Das Leben ist toll. Ihr Privatleben kommt zwar manchmal zu kurz, aber das drückt sie weg. Sie brennt für ihren Beruf und meint es ginge so weiter, wenn sie sich nur immer so engagiert.
Dann kommt ihr 40. Geburtstag und sie bemerkt plötzlich, dass sie „vergessen“ hat, sich um ihre Familienplanung zu kümmern. Gut, mit 40 ist das noch  nicht vorbei. Da sind ja immerhin noch ein paar Jahre…. Die Zeit vergeht, sie wird 41, 42, 43 usw. Immer passt entweder die Situation nicht oder der geeignete Partner fehlt.
Irgendwann stellt sie fest, dass ihre Zeit für eine Mutterschaft abgelaufen ist. Endgültig.

Oder diese Geschichte: Ein Mann möchte später unbedingt einmal eine Fallschirmspringer-Lizenz haben. Zunächst stehen aber andere Dinge im Vordergrund. Da ist eine Familie zu ernähren, die Umstände und auch die finanziellen Möglichkeiten erlauben es nicht, sich sofort ins Abenteuer Fallschirmspringen zu stürzen. Als es endlich an der Zeit ist erleidet er einen Unfall. Infolgedessen kann er solche Sportarten nicht mehr ausüben.

Wie ein kleiner Tod

Manche Lebensträume müssen Sie in der Lebensmitte begraben. Es führt kein Weg daran vorbei. Das ist für viele Menschen ein Schock. Und zwar ganz zu Recht. Wesentliche Sehnsüchte aufgeben zu müssen ist extrem schmerzhaft, oft fühlt es sich für die Betroffenen an wie sterben. Da ist was dran, denn ein Teil von Ihnen kann sich nicht ausleben. Das ist ein wesentlicher Aspekt Ihres Wandlungsprozesses in der Lebensmitte.

Jetzt heißt es, sich dieser Trauer zu stellen. Jeder hat da seine eigene Art, mit diesen Sollbruchstellen im Leben umzugehen.

Was tun?

Als erstes ist wichtig, sich nicht zu wehren oder dagegen anzukämpfen. Nehmen Sie die Endgültigkeit an. So hart es ist, so schwer es Ihnen auch fällt. Trauern Sie, seien Sie wütend, lassen Sie alle Gefühle raus, die sich Luft machen wollen. Das ist enorm wichtig. Seien Sie sich bewusst, dass Ihr Schmerz verarbeitet werden will. Das ist ein Prozess, der einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Gehen Sie unbedingt liebevoll mit sich um.

Wenn Sie verzweifelt versuchen, solche wichtigen inneren Bedürfnisse zu verdrängen werden sie sich früher oder später bemerkbar machen, körperlich, seelisch, geistig. Das Leben stellt Ihnen Aufgaben und nur Sie haben es in der Hand, wie Sie damit umgehen.

Natürlich gibt es in unserer Zeit Frauen, die jenseits der 60 noch Mutter werden. Oder sich körperlich extrem anstrengenden Prozeduren unterziehen, nur damit sie jenseits der Menopause noch ein Kind austragen können. Das alles sind ungeeignete Mittel, mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen. Sie verleugnen die natürlichen Gegebenheiten.

Schauen Sie sich Ihren Wunsch genau an. Was verbirgt sich dahinter? Welches Bedürfnis möchten Sie damit befriedigen? Was ist es, was Sie damit am meisten verbinden? Welche Sehnsucht wonach?

Wenn Sie das herausgefunden haben kommt der nächste Schritt. Es gibt für die meisten unserer Bedürfnisse mehrere Formen wie sie ausgelebt werden können. Wenn Ihnen beispielsweise die eigene Mutterschaft versagt bleibt kümmern Sie sich um andere Kinder. Oder Sie kreieren Ihr persönliches Baby in Form einer Herzensangelegenheit. Ehrenamtlich oder mit einem eigenen Unternehmen.

Der verhinderte Fallschirmspringer hat möglicherweise ein Buch über verpasste Chancen geschrieben und hält Vorträge zu diesem Thema, um anderen Männern Mut zu machen, ihren Sehnsüchten zu folgen.

Vielleicht verarbeiten Sie Ihren Schmerz künstlerisch. Oder Sie nehmen Hilfe in Anspruch, therapeutisch, in Selbsthilfegruppen, durch Seminare. Auch ein guter Coach kann Ihnen wertvolle Hilfe leisten beim Durchlaufen Ihres persönlichen Reifeprozesses. Denn um einen solchen handelt es sich im Endeffekt.