Alt sein und alt werden

Heino Bludau, 89 Jahre

 

Ich drehe die Überschrift um und sage: ALT WERDEN UND ALT SEIN.

Das sind meines Erachtens zwei Etappen des Lebens von ganz entscheidender Bedeutung und Wichtigkeit.

In dem Lebensabschnitt ALT WERDEN stelle ich fest, dass ich in absehbarer Zeit auf viele Dinge verzichten muss, die für mich selbstverständlich waren. Ich sehe das an vielen Freunden und Bekannten, die diese Zeit schon hinter sich haben und im ALT SEIN angekommen sind. Ich höre sie von manchen Erlebnissen in ihrer Vergangenheit reden und schwärmen, aber auch abfällig über dies und jenes urteilen. Ich denke gern an die schönen Ferienreisen im jugendlichen Alter in die Grafschaft Glatz mit meinen Eltern. Das kommt nicht mehr wieder.

ALT SEIN ist der Lebensabschnitt, da ich mich an viele Begebenheiten erinnere, die ich mit viel Freude und Elan beim ALT WERDEN und davor bis in das Jugend – und Kindesalter auch erlebt habe und erleben durfte. So habe ich gern daran gedacht, wie ich mich als Sohn zufriedener Eltern und zwei älterer Brüder mit dem Flugmodellbau beschäftigen konnte und drei Lehrgänge im Segelfliegen mit Erfolg absolvierte. Es ist aber nicht neu, dass viele schöne Zeiten auch von einigen schweren Stunden unterbrochen wurden. Und davon gab es genug. Es waren die Todesfälle meiner Brüder und Eltern. Es war auch der Verlust der Heimat durch Vertreibung, die ich sehr gern in Erinnerung habe.

Der Lebensabschnitt ALT SEIN wird von der Hoffnung bestimmt, dass noch viele schöne Tage zusammen mit meiner lieben Frau vor uns liegen mögen.

Er wird auch bestimmt von der Hoffnung, dass wir von einem weiteren Krieg verschont bleiben, und im Land Ruhe herrschen möge. Ich sehe mit Befremden, wie heute junge Menschen mit Radau und Krawall hier und anderweitig durch die Straßen ziehen. Was wird aus denen? Können die unserem Land dienen? Und sich selbst auch?

 

segel